Lernen in der Postkreidezeit
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bevorzugte Apps von Jugendlichen im Unterricht

5 Minuten Lesezeit

Beliebt sind Messenger-Dienste, soziale Netzwerke und Videoportale sowie Streaming-Dienste. Genutzt werden die Angebote jedoch vorwiegend im privaten Bereich und kaum zur Gestaltung eigener Lernprozesse. Daher kann es interessant sein, im Unterricht Nutzungsmöglichkeiten zu zeigen, wie bevorzugte Apps auch dem eigenen Lernfortschritt und der Persönlichkeitsentwicklung dienen können.

WhatsApp

Organisation

Ich nutze WhatsApp im Unterricht, jedoch nicht in Form eines Gruppenchats, da ich niemanden zwingen möchte, WhatsApp überhaupt zu nutzen und auch nicht, seine Mobilnummer allen mitzuteilen. Die Nutzung von WhatsApp erfolgt daher freiwillig, es gibt alternative Aktivitäten, die auf Papier umgesetzt werden können. Zur Kommunikation wählen sich die Schüler Lernpartner, deren Mobilnummer ihnen bekannt ist und mit denen sie auch privat über WhatsApp kommunizieren. Der Lerngruppe können Ergebnisse zugänglich gemacht werden über Screenshots, die auf einer Plattform wie Pinterest zusammengetragen werden. Es ist auch möglich, die Inhalte mit Beamer z.B. über EZCast, der unterschiedliche Betriebssysteme unterstützt, zu zeigen.

Nutzungsmöglichkeiten

Im Fremdsprachenunterricht kann WhatsApp genutzt werden, um alltägliche Kommunikationssituation in der Zielsprache zu simulieren. So können Schüler z.B. sich nachmittags verabreden zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten, Meinungen zu einem aktuellen Film austauschen oder sich gegenseitig Tipps zum Kleiderkauf geben. Auch zum Storytelling eignet sich WhatsApp. Man gibt den Anfang einer Geschichte an und die Lernpartner entwickeln in ihrem Chat die Geschichte weiter. Des Weiteren kann man Lerninhalte in Emojis umsetzen lassen. Sprichwörter können in Emojis dargestellt werden und die Lernpartner versuchen, das Sprichwort herauszufinden. Auch Gedichte oder Handlungen von literarischen Ganzschriften können in Emojis dargestellt werden. Im Plenum kann besprochen werden, welche inhaltlichen Schwerpunkte gesetzt wurden. Auch einzelne Szenen eines literarischen Textes können visualisiert werden und die Mitschüler müssen herausfinden, um welche Szene es sich handelt.

YouTube

Auf der Videoplattform YouTube findet man so ziemlich alles. Neben Beiträgen zu gesellschaftlichen Themen hat man z.B. im Fremdsprachenunterricht Zugriff auf authentische Dokumente. Man kann auf YouTube Schülern Lern- oder Erklärfilme zur Verfügung stellen. Schüler können auch ihre filmischen Arbeitsergebnisse auf YouTube hochladen. Somit kann YouTube nicht nur zur Unterhaltung dienen, sondern auch zur Lernplattform werden.

YouTube im FlippedClassroom

FlippedClassroom Austria
Flipped Mathe
Flip the Classroom

YouTube für inklusives Lernen

ivi-Education

YouTube-Kanäle

Mr Wissen 2 Go
The Simple Club

YouToube als Plattform für Arbeitsergebnisse

s. Geschichte in Stop-Motion

Instagram

Instagram kann mehr sein als ein Dienst zum Teilen von Selfies und Foodbildern. Interessant für den Unterricht können die Instagram-Challenges sein. Dabei wird unter einem bestimmten Aspekt für jeden Tag ein Thema herausgegeben, zu dem man dann etwas postet. Die Beiträge findet man über einen gemeinsamen Hashtag. Bei der Challenge #30daysdraworletter ging es darum, vorgegebene Themen visuell durch Zeichnungen oder Lettering umzusetzen. Bei der Challenge #wirerlesendiewelt sollte zu jedem vorgegebenen Thema ein Buch gepostet werden. Bei der Challenge #desafioinstagramele werden sprachliche Phänomene visualisiert. Solche Challenges kann man auch im Unterricht nutzen. Zu einer thematischen Einheit kann man bestimmte Aspekte auswählen und visualisieren lassen. Auch die Schüler können für die Challenge selbst Aspekte suchen, die dann von jedem visuell umgesetzt werden können.
Instagram kann man auch nutzen, um Lerninhalte zu visualisieren. So können z.B. im Fremdsprachenunterricht Fotos angefertigt werden zum Wortfeld Obst oder in Mathematik von Objekten mit einem rechten Winkel. Damit alle Beiträge gefunden werden, wählt man einen spezifischen Hashtag.
Ebenso kann man Instagram nutzen, um Fotos von einem Unterrichtsgang bzw. einer Lehrfahrt zusammenzutragen. Auch hier wählt man einen Hashtag, der das Auffinden der gemeinsamen Beiträge ermöglicht. Im Fremdsprachenunterricht könnte man den Fokus z.B. auf interkulturelle Situationen legen.

Snapchat

s. Snapchat im Unterricht

Facebook

Facebook wird immer weniger von Jugendlichen genutzt. Die Chronik bietet jedoch viele Möglichkeiten zur kreativen Umsetzung von Lerninhalten. So kann man zu literarischen Ganzschriften zu den Figuren Fake-Accounts erstellen, die Informationen über sich posten und miteinander interagieren. Interessant ist bei einer Beziehungsgeschichte neben den Posts auch, wann eine Figur was von der anderen liked, wann evtl. nicht mehr oder wie sich der Beziehungsstatus verändert.
Facebook kann auch genutzt werden, um die Lebensgeschichte einer fiktiven oder realen historischen Figur zu dokumentieren wie in dem Beispiel von Léon Vivien. Ein weiteres Beispiel ist die Nutzung zur Darstellung der Reisen des Magellan.

Hinweis

Es handelt sich bei den Diensten vorwiegend um Messanger-Dienste oder soziale Netzwerke, bei denen eine Registrierung nötig ist. Im Unterricht muss man auf Schutz persönlicher Daten achten. Daher sollten solche Angebote freiwillig sein. Es muss entsprechende Alternativen geben, damit weder jemand gezwungen wird, sich zu registrieren, noch einen Nachteil hat, wenn er sich dagegen entscheidet. Eine Möglichkeit, eine Registrierung mit persönlichen Daten zu vermeiden, ist die Verwendung von schuleigenen Geräten. Hier werden die Geräte registriert und nicht die Schüler. Man kann auch einen Klassenaccount erstellen. Die Schüler erhalten dafür die Zugangsdaten. Bisher habe ich damit noch keine negativen Erfahrungen gemacht, da die Schüler motiviert sind und daher konstruktiv mitmachen.

Welche Apps bevorzugt werden, kann man einsehen in
JIM-Studie 2016
Jugend-Internet-Monitor 2017

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