Lernen in der Postkreidezeit
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Geschichte in Stop-Motion

2 Minuten Lesezeit

Geschichtsvermittlung darf sich nicht auf Vermittlung von Faktenwissen beschränken, da dies zu wenig zu einer Auseinandersetzung mit politischen sowie gesellschaftlichen Themen führt und zudem kein interkulturelles Lernen fördert. Daher nahm mein Grundkurs Spanisch 12 gerne das Angebot an, an einem Trickfilmworkshop mit Schwarwel teilzunehmen, um Phänomene von Diktatur und die damit verbundene Negierung von demokratischen Rechten zu analysieren und zu visualisieren. Der Workshop wurde in der Reihe 1989 - Comic-/Trickfilmworkshops mit Schwarwel in 16 Bundesländern von Glücklicher Montag durchgeführt und von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur finanziert. Vermittelt wurde mir das Angebot durch meinen Kollegen Daniel Bernsen, der an Projekttagen mit Schülern teilgenommen hatte.

Projektablauf

Im Unterricht hatten sich die Schüler des Grundkurses Spanisch bereits vor dem Projektstart mit der Franco-Diktatur und dem Weg Spaniens in die Demokratie auseinandergesetzt. Der erste Projekttag konnte daher mit dem Film 1989 - Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer starten. Nach gemeinsamem Ansehen des Films wurden Vergleiche mit sowie Unterschiede zu der Diktatur und dem Übergang zur Demokratie in Spanien gezogen. Im Anschluss daran wählten die Schüler in Gruppen Phänomene aus diesem Abschnitt der spanischen Geschichte aus, um sie in Stop-Motion-Filmen zu visualisieren. Wichtig war, dass sie Themen vertiefen konnten, die sie während der Unterrichtsreihe besonders interessiert hatten. Thematische Dopplungen waren möglich und die Beispiele zeigen, dass unterschiedliche Darstellungsweisen und Schwerpunkte gefunden wurden, was diese Dopplung auch interessant macht. Mit vielen Tipps von Schwarwel und Anregungen zur technischen Umsetzung ging es danach an die Erstellung eines Storyboards und die Zeichnungen. Die Filmarbeit konnte ebenfalls bereits am ersten Tag begonnen werden. Am zweiten Projekttag wurden zuerst die bisherigen Ergebnisse im Plenum vorgestellt und in Form von Peer-Evaluation weitere Vorgehens- sowie Visualisierungsmöglichkeiten besprochen. Nachdem die Rohfassung mit Hilfe der App StopMotion mit iPads erstellt wurde, nahm ein Schüler nach den Vorstellungen der jeweiligen Gruppen eine Nachbearbeitung des Materials am MacBook mit Hilfe von iMovie vor. Die Ergebnisse konnten noch am Ende des zweiten Workshoptages auf Youtube hochgeladen werden.

Projektergebnisse

Zwei Gruppen wählten das Phänomen der geraubten Kinder. Während der Franco-Diktatur wurden Kinder oppositioneller Eltern entführt, um sie regimenahen Eltern oder der Kirche in Obhut zu geben zur Umerziehung nach faschistischer Ideologie.

Eine dritte Gruppe wählte den 23-F. Am 23. Februar 1981 setzte der Putschversuch franquistischer Angehöriger der Guardia Civil unter der Führung von Oberstleutnant Antonio Tejero Spanien unter Schock. Die junge Demokratie zeigte jedoch Stärke und der Putschversuch misslang.