Lernen in der Postkreidezeit
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Leben in einer digital geprägten Welt

4 Minuten Lesezeit

Das SaarCamp legt 2017 den Schwerpunkt auf das Thema Digitale Gesellschaft und hat dazu zu einer Blogparade aufgerufen. Ich persönlich finde den Begriff digitale Gesellschaft schwierig. Eine Gesellschaft besteht aus Menschen und Menschen sind an sich nicht digital. Wir nutzen digitale Medien, um unseren Alltag angenehmer zu gestalten und / oder weil es für die Ausübung unserer beruflichen Tätigkeit wichtig bzw. notwendig ist. Das Leben in der Gesellschaft ist bei dem einen stärker und bei dem anderen weniger stark digital geprägt.

Wie digital geprägt kann unser Leben sein?

Vieles in unserem privaten und beruflichen Alltag läuft digital ab.
Nachdem unser Schlaf mit Hilfe einer App analysiert wurde, weckt uns der Wecker des Smartphones. Rollladen und Fenster öffnen sich mit dem HomeKit, das bereits die Heizung auf angenehme Temperatur geregelt hat. Da wir die Kaffeemaschine programmiert haben, wartet das Frühstück bereits auf uns. RSS-Feeds informieren uns schnell und auf einen Blick über Neuigkeiten. Dann noch ins Bad. Wird das Toilettenpapier knapp, drücken wir den Dash-Button. Die Bluetooth-Zahnbürste personalisiert unsere Zahnpflege. Ein Blick auf die Wetterapp hilft uns bei der Kleiderauswahl und die Kalenderapp erinnert uns an wichtige Termine. Zur Arbeit fahren wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Fahrtickets dafür haben wir in Wallet oder der App der öffentlichen Verkehrsgesellschaft. Nehmen wir das Auto, hält uns während der Fahrt dank CarPlay die Musik unserer Motivations-Playlist wach. Ein Parkleitsystem bringt uns zu einem freien Parkplatz. Müssen wir mal zu einem Auswärtstermin, bringt uns ein Navigationssystem ohne Umweg ans Ziel. Angekommen am Arbeitsplatz melden wir uns im Firmennetzwerk als anwesend an. Dann geht es los mit einer Videokonferenz. Über Kommunikationsplattformen organisieren wir Projekte. Ein Blick in die digitale Speisekarte verrät uns, ob wir uns auf die Mittagspause freuen können. Das Essen in der Kantine zahlen wir mit der Mitarbeiter-RFID-Karte. Danach geht es wieder an den Arbeitsplatz, wo die Geschäftsprozesse mit Hilfe eines ERP-Systems digital abgewickelt werden. Wir loggen uns nach der Arbeit wieder im Firmennetzwerk aus. Zwischendurch kommunizieren wir mit Kollegen, Freunden, Familie über Messenger-Dienste oder in sozialen Netzwerken. Die Notifications auf der Smartwatch zeigen uns neue Mitteilungen an. Zu Hause angekommen, bestellen wir uns per App unser Abendessen. Um die Wartezeit zu überbrücken, zocken wir noch schnell ein Game und freuen uns, im Teamspeak Freunde zu treffen. Die Krümel des Frühstücks sind mittlerweile verschwunden. Dafür hat der smarte Saugroboter gesorgt. Nach dem Essen entspannen wir mit Musik oder Filmen von Streaming-Diensten. Oder wir gehen noch eine Runde laufen und der Fitness Tracker zeigt uns unsere Tagesform an. Wenn wir ins Bett gehen, löscht der Bewegungssensor des HomeKits hinter uns automatisch das Licht.
Natürlich verläuft der Tag nicht so schematisch und es finden in allen Phasen persönliche Kontakte statt, die uns weiterhin als soziale Wesen wichtig sind. Aber digitale Möglichkeiten erleichtern uns viele alltägliche Aufgaben und optimieren Arbeitsprozesse.

Was bedeutet digitale Transformation für unser Leben?

An vielen digitalen Prozessen kommen wir nicht vorbei. Dennoch gibt es Menschen, die digitale Möglichkeiten stärker nutzen und andere, die es eher auf ein Pflichtmaß reduzieren. Dass digitale Möglichkeiten unsere Gesellschaft verändern, steht außer Frage. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Es müssen Wege gefunden werden, damit die Transformation nicht zur Disruption führt.

Wie findet man sich in der digital geprägten Welt zurecht?

Kinder müssen lernen, sich in dieser digital geprägten Welt kompetent zu bewegen, um an gesellschaftlichen Prozessen teilzuhaben und sie mitzugestalten (s. dazu auch die Strategie der Kultusministerkonferenz). Dazu gehört Informationsmanagement. Wie filtere ich Informationen? Wie unterscheide ich seriöse von unzuverlässigen bzw. manipulierenden Quellen? Wie speichere ich Informationen, damit ich sie schnell wiederfinde? Wie verarbeite ich Informationen? Wie teile ich Wissen mit anderen? Es gehören auch Social Skills wie positive Diskursstrategien dazu, gerade in Zeiten von Hassposts und Cybermobbing. Auch Datensicherheit muss ein Thema sein. Wie schütze ich meine Daten und meine Privatsphäre und die von anderen? Welche Spuren hinterlasse ich im Netz? Auch für Erwachsene gibt es Angebote wie die der Initiative Onlinerland Saar, wenn man sich im Netz kompetenter bewegen will. In Social Media kann man sich vernetzen. Man lernt Menschen mit gleichen Interessen kennen. Der Austausch kann die Persönlichkeitsentwicklung positiv beeinflussen.
Es geht darum, dass wir in der Gesellschaft lernen, mit Risiken des Digitalen angemessen umzugehen und die enormen Chancen zu nutzen, damit niemand durchs Netz fällt.

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