Lernen in der Postkreidezeit
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Lehrerbildung am Puls der Zeit

5 Minuten Lesezeit

Bei der Beitragsparade der #edupnx wurde von der Community im Mai das Thema Lehrerbildung / Kompetenzen in einer digitalen Welt gewählt. Es stellt sich also die Frage, welche Kompetenzen erforderlich sind, wie diese erreicht werden können und warum sie wichtig sind.

Welche Kompetenzen sind erforderlich?

Welche Kompetenzen für Lehrerinnen und Lehrer wichtig sind in einer digital geprägten Welt, verdeutlicht anschaulich meiner Meinung nach das TPACK-Modell.

Reproduced by permission of the publisher, © 2012 by tpack.org

Wie können diese Kompetenzen erreicht werden?

Wichtig ist, dass der Kompetenzerwerb von Anfang an ermöglicht wird, also bereits in der ersten Ausbildungsphase (universitäre Ausbildung) beginnt, in der zweiten Ausbildungsphase (Referendariat / Vorbereitungsdienst) erweitert wird und danach in der Lehrerfortbildung kontinuierlich weiterentwickelt wird.
Kompetenzen werden erst in der Anwendung sichtbar. Daher müssen sie vernetzt und integrativ erworben werden und in praktischen Anwendungen durch Selbst- oder Fremdevaluation überprüft und weiterentwickelt werden.

Möglichkeiten in der ersten Ausbildungsphase

Seminarbegleitende Schulpraktika können Anwendung ermöglichen. Auch die Konzeption von Lernsettings in Seminaren bringt diese Kompetenzen zusammen. Bei der Planung und unterrichtspraktischen Umsetzung eines Themas sind nach einer fachwissenschaftlichen Analyse neben fachdidaktischen immer auch mediendidaktische Aspekte zu berücksichtigen. Für den Austausch interessant wären Plattformen, auf denen diese Ausarbeitungen bzw. Materialien als #OER allen zugänglich gemacht werden würden. Eine mögliche Organisation könnte erfolgen nach dem Modell der Universität Leipzig, wie Matthias Andrasch dies auf seinen #OERWunschzettel aufgenommen hat.

Gemeinsam könnten Materialien dadurch schnell gefunden, erprobt und weiterentwickelt werden.

Möglichkeiten in der zweiten Ausbildungsphase

Hier sollten in Allgemeinen Seminaren sowie Fachseminaren die Kompetenzen integrativ weiterentwickelt werden können. Im Ausbildungs- sowie eigenverantwortlichen Unterricht können die Kompetenzen angewendet und selbst oder gemeinsam evaluiert werden. Als Orientierung für einen sinnvollen Medieneinsatz kann das SAMR-Modell dienen (s. Puentedura, Ruben R.: SAMR and TPCK: Intro to Advanced Practice).

Möglichkeiten in Fortbildungsangeboten

In den Fortbildungsangeboten sollten diese Kompetenzen bereits in der Konzeption sichtbar werden. Fortbildungsangebote mit direkten Anwendungsmöglichkeiten aktivieren und motivieren zur Umsetzung der Inhalte.

Geeignet sind z.B. interne Fortbildungen, da sie spezifisch auf die Ausstattung der Schule ausgerichtet sind und man in einer Gruppe mit Kollegen, die man gut kennt, eher nachfragt und sich austauscht. Dazu gibt es mehrere Organisationsmöglichkeiten.

Ich biete in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder zu gewünschten Themen als freiwilliges Angebot nachmittags interne Fortbildungen an oder auch Angebote an Pädagogischen Tagen.
Pädagogischer Tag 2017 am OHG: Digitales Arbeiten
Pädagogischer Tag 2016 am OHG: Didaktische Ansätze zur Nutzung von Mobile Devices

Lars Reitze bietet Mikrofortbildungen ebenfalls als freiwilliges Angebot direkt im Anschluss an den Unterricht an.

Sonja Hennig organisiert diese freiwilligen Angebote in Form einer digitalen Mittagspause.

Barcamps wie das EduCamp bieten ebenfalls eine gute Austauschmöglichkeit, da jeder seine Kompetenzen einbringt, wodurch man viele Impulse erhält und viele Ideen und Praxisbeispiele gemeinsam weiterentwickelt werden können.

Geht es um Kompetenzen in einer digitalen Welt, sind auch digitale Fortbildungsformate wie Webinare ein wichtiger Bestandteil von Angeboten. Hier gibt es bereits zahlreiche Angebote.
Webinare, organisiert von Jürgen Wagner, LPM Saarland
eLectures der Virtuellen PH
#icmchatde FU Berlin

Wichtige Fortbildungsquelle für mich sind auch Soziale Netzwerke. Bei Twitter kann man sich mit Kolleginnen und Kollegen vernetzen oder über Hashtags wie #edupnx und #DigitaleBildung wichtige Informationen sowie Anregungen erhalten. Facebook-Gruppen wie Medienpädagogik ermöglichen ebenfalls Austausch. Bei Instagram kann man bei den Instachallenges viel lernen und bei Aktionen wie #meetthebloggerde auch mal die Filterblase verlassen. Blogs von Kolleginnen und Kollegen findet man z.B. in der Übersicht der ZUM. Über RSS kann man Blogs z.B. mit Feedly abonnieren, damit man neue Posts nicht verpasst. Diese Fortbildungsart ermöglicht unmittelbare Aktualität der Informationen sowie zeit- und ortsungebundene Vernetzung.

Kompetenzerweiterung nach konnektivistischem Prinzip bieten auch MOOCs. Auf Plattformen wie mooin und iMooX finden immer wieder kostenlose Onlinekurse statt. Die Inhalte stehen auch nach Kursende noch zur Verfügung.

Wichtig finde ich, dass man offen bleibt und aktiv an Weiterentwicklung arbeitet.

Wozu dienen diese Kompetenzen?

Diese Kompetenzen sind wichtig, damit Schülerinnen und Schüler im Unterricht ebenfalls Kompetenzen erwerben können, die in unserer heutigen digital geprägten Gesellschaft wichtig sind. Diese werden im 4K-Modell übersichtlich zusammengefasst. Dabei geht es um kritisches Denken, Kreativität, Kommunikation und Kollaboration. Diese Kompetenzen können vor allem in offenen, schülerzentrierten Unterrichtsformen erworben werden, die Lernerautonomie fördern und Bewertung von Lerninhalten erfordern. Digitale Medien ermöglichen selbstständige Recherche. Kommunikation und Kollaboration kann zeit- und ortsunabhängig stattfinden. Kollaborative Anwendungen ermöglichen Zusammenarbeit auch in großen Gruppen. Produktorientierte Verfahren wie Bloggen, Zusammenarbeit in einem Wiki sowie das Erstellen von kreativen Produkten wie Film, digitales Plakat oder digitale kollaborative Sketchnotes fördern Kreativität und kritisches Denken, da Lerninhalte visualisiert werden, was eine tiefe Auseinandersetzung erfordert. Diese Lernangebote können jedoch nur effektiv konzipiert werden, wenn Lehrerinnen und Lehrer neben Fachkompetenz über ein breites Methodenrepertoire und das für die Umsetzung notwendige technische Wissen verfügen.

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