Lernen in der Postkreidezeit
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Kooperatives Lernen mit Tandembögen

3 Minuten Lesezeit

Wie können Lehrende weniger lehren und gleichzeitig die Lernenden mehr lernen?

Comenius: Große Didaktik, 1657

Potenzial von Tandembögen

Aktivierung
Eigenverantwortung
Interaktion
Kommunikation
Kooperation
Lernerautonomie

Einsatzmöglichkeiten

Einführung
Anwendung
Transfer

Dos and Don'ts

Meiner Meinung nach sollten Tandembögen echte Kommunikation ermöglichen und nicht nur gegenseitiges Kontrollieren. Dies möchte ich am Beispiel des pretérito perfecto zeigen.
Ich halte einen Tandembogen, bei dem nur Lücken auszufüllen sind, für die der Lernpartner die Lösung hat, für wenig sinnvoll, da dies auch als Arbeitsblatt in Partnerarbeit bearbeitet werden kann mit anschließender Besprechung im Plenum. Zwar ermöglicht das Tandem hier eine Kontrolle in dem geschützten Raum des Tandems, aber die Bearbeitung verläuft sehr schematisch. Zudem entsteht ein focus on form und weniger eine Bearbeitung auf inhaltlicher bzw. kommunikativer Ebene.
Don't

Auch sollten keine Angaben in deutscher Sprache gemacht werden, die der Lernpartner in die Zielsprache übertragen soll, da dies eine Mediationsübung und nicht wirklich eine Tandemaktivität ist. Die positive gegenseitige Abhängigkeit, die eine Tandemaktivität charakterisiert, ist in diesem Fall im kommunikativen Bereich kaum gegeben. Hier würde es reichen, nur den Gesprächsverlauf in deutscher Sprache auf einem Arbeitsblatt in Partnerarbeit bearbeiten zu lassen und beide gemeinsam nach Formulierungsmöglichkeiten suchen zu lassen, die dann im Plenum besprochen werden.
Don't

Sinnvoller
Sinnvoller erachte ich, wenn wirklich eine Wissenslücke geschaffen wird, die ich nur mit Hilfe des Lernpartners füllen kann. Die Aktivität könnte daher so konzipiert sein, dass man sich gegenseitig fragt, wann etwas gemacht wurde. Es liegt so zwar keine Lösungsangabe für die Formen im pretérito perfecto vor, dies wird jedoch wirklich in die Verantwortung des Lernpartners gelegt. Der kann im Zweifelsfall nachsehen in den Unterrichtsunterlagen oder in Konjugationstabellen im Internet. Darüber hinaus entsteht evtl. durch eine falsche Formenbildung ein Verständnisproblem bzw. erfolgt eine unerwartete Antwort, was zu einer authentischen Korrektursituation führt. Durch das Erfragen entsteht zudem eine Liste von Zeitangaben, die das pretérito perfecto nach sich ziehen. Zur Binnendifferenzierung können Schüler eigene Fragen hinzufügen. Die inhaltliche Ebene steht im Vordergrund, es entsteht nebenbei noch einmal ein Überblick über den semantischen Gehalt der grammatischen Struktur und man muss wirklich dem Lernpartner zuhören, damit man angemessen antworten kann bzw. die Wissenslücken gefüllt werden können statt nur schematisch Lösungen abzunicken. Möchte man dennoch im Plenum die Ergebnisse überprüfen, kann ein Tandempaar den Dialog vorstellen. Zur Kontrolle könnten auch Rückfragen über andere gestellt werden, wobei die 3. Person Singular oder Plural verwendet werden muss.

Konzeption

Der Tandembogen kann in Tabellenform auf einem Blatt ausgeteilt werden, wobei die Aktivitäten für jeden der beiden Lernpartner jeweils in einer Spalte aufgelistet sind. Der Bogen wird in der Mitte gefaltet, damit jeder nur seine Aufgabe einsieht.
Die Aktivitäten können auch auf zwei separaten Blättern ausgeteilt werden (s. Beispiel oben), wobei jeder nur das Blatt mit seinen Aufgaben erhält. Zur besseren Übersicht ist es hilfreich, wenn dafür Papier in zwei unterschiedlichen Farben verwendet wird.